Junge Juteblätter

Zu Beginn stand die Idee. Die Idee von der vollständigen Verwertung

aller Pflanzenbestandteile der Jutepflanze. Während der Bast zur

Fasergewinnung verwendet wird und die Stängel oft als Briketts

Verwendung finden, wurde den Blättern bislang kaum Beachtung

geschenkt. Zwar werden Blätter anderer Jutesorten als Gemüse

verzehrt und diese Sorten auch in einigermaßen großem Stil für

genau diesen Zweck angebaut, jedoch bleiben in den großen Jutefaser-

Anbaugebieten die Blätter ungenutzt. Warum also nicht eine

Verwendung finden für die haufenweise ungenutzten Juteblätter?

Naheliegend war ein Aufguss, zumal der hohe Nährstoffgehalt der

Juteblätter an sich nichts Neues war.

 

Auf die Idee folgte die Suche. Die Suche nach Menschen mit Wissen und Erfahrung, wie man Juteblätter zu einem genussvollen Aufguss zubereiten könnte. Die Suche begann auf einer Bangladeschreise im Frühjahr 2016. Eine lange und schwierige Suche wie sich herausstellen sollte. Zwar hörten wir hier und da Geschichten, wie die Juteblätter früher traditionell als Teeaufguss verwendet wurden und Erinnerungen aus der Kindheit an eben diese Aufgüsse. Keiner aber kannte oder wusste von Menschen, die Genaueres zur Zubereitung zu sagen hätten. Mehr als ein müdes Lächeln auf die Frage, ob man denn die Juteblätter als Teeaufguss verwenden könnte, bekamen wir meist nicht als Antwort. Bis wir während der langen und intensiven Suche durch Zufall auf einen Bauern stießen, der aufgrund familiärer Traditionen und langem Selbststudium und Ausprobieren seit einiger Zeit versuchte, diese Tradition wieder aufleben zu lassen. Das Treffen war ein Glückstreffer für beide Seiten: H M Ismail Khan, der Name des besagten Bauers, war glücklich und froh Mitstreiter und Unterstützer für seine Herzensangelegenheit gefunden zu haben (gerade als ausländische Befürworter konnten wir ihm zu mehr Gehör und dadurch Unterstützung verhelfen) – wir auf der anderen Seite waren froh, endlich jemanden gefunden zu haben, der mehr als nur ein müdes Lächeln für unsere "Idee" übrig hatte. Aus dieser Begegnung in Bangladesch entwickelte sich seit Frühjahr 2016 ein intensiver Austausch und eine enge Beziehung, die nun mit dem ersten Jute-Tee seit Generationen ihre Früchte trägt.

Dezember 2017

Das Projekt hinter unserem Jute-Tee

Auf die erfolgreiche Suche nach Unterstützern folgte relativ schnell

die Entwicklung von einer Idee zu einem Projekt: könnten Kleinbauern

in den traditionellen Juteanbaugebieten einen Teil ihres Juteanbaus

mit Doppelnutzung realisieren (also sowohl Blatternte als auch spätere

Faserernte), könnte dies zu einer zusätzlichen Einkommensquelle führen

und somit indirekt positiv zur ländlichen Entwicklung beitragen. Aber

auch ein exklusiver Anbau der Jutepflanze für Jute-Tee könnte für Klein-

bauern eine interessante Alternative beziehungsweise Ergänzung zu

ihren Anbauplanungen darstellen. Allerdings waren die Kleinbauern, mit

denen wir sprachen, zu Beginn nicht sonderlich daran interessiert, auf

eigenes Risiko ihre für ihren Lebensunterhalt wichtige Anbauplanungen

für eine Idee im Anfangsstadium umzuwerfen. Und somit kristallisierte

sich langsam die Erkenntnis heraus: es musste ein subventioniertes

Pilotprojekt aus der Idee entwickelt werden. Unterstützung mitsamt Finanzierung war relativ schnell gefunden: das Juteministerium

Bangladeschs (Ministry of Textiles and Jute) zeigte sich stark interessiert und bereit, entsprechende Projekte zu finanzieren. Und so kommt es, dass ein Teil des Jute-Tee-Teams aus der Hohenheimer Ausgründung Intertrop derzeit vor Ort in Bangladesch ist, um ein gemeinsam mit dem Juteministerium ins Leben gerufenes Pilotprojekt zur Erörterung der Doppelnutzung der Jutepflanze auszuführen. Noch werden die Jutepflanzen in sehr geringen Mengen speziell für die Herstellung von Jute-Tee angebaut. Für eine Doppelnutzung - wie angedacht - ist es noch zu früh. Noch ist nicht klar, in welchem Ausmaß Blätter in den frühen Entwicklungsstadien geerntet werden können, ohne dass die Faserernte und die Faserqualität abnimmt. Das Pilotprojekt soll in den nächsten Monaten genau diese Fragen klären und dann hoffentlich in Zukunft den Jutebauern ein "doppeltes" Einkommen sichern. Die Feldstudien im Rahmen des Pilotprojektes sollen ebenso die Fragen der optimalen Erntezeitpunkte der Blätter sowie die optimalen Anbaubedingungen für den "Exklusivanbau" (Anbau nur für die Produktion von Jute-Tee) klären. Weitere, in Planung befindliche Feldstudien, werden in den kommenden Monaten durchgeführt, um den Jute-Tee immer weiter zu verfeinern und so die jahrhundertealte Tradition auf Basis neuer wissenschaftlicher Studien weiterleben zu lassen.

Seit Anfang 2018 helfen und begleiten wir etwa 40 Kleinbauern in Manikganj, Bangladesch sich zu einer Kooperative zusammenzuschließen und eine europäischen Zertifizierung für biologischen Landbau zu bekommen. Die Anbauflächen der Kleinbauernkooperative befinden sich derzeit in der zweijährigen Übergangsphase zu biologischem Landbau. Ab 2021 wird unser Jute-Tee dann ein europäisches Biosiegel bekommen. Die in der Kooperative angebauten Jutepflanzen werden also bereits jetzt streng nach biologischen Kriterien angebaut.

Alle Interessierte und Begeisterte werden wir auf dieser Seite stets auf dem Laufenden halten.

Herzlichst

Euer Jute-Tee-Team

Versuchsfeld des Pilotprojekts zur Entwicklung von Jute-Tee in Manikganj, Bangladesch

Juteblätter bei der Trocknung

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